Pressemitteilung zum Mordanschlag auf zwei obdachlose Menschen

Am 25.9.2025 hat sich ein Mordanschlag auf zwei obdachlose Menschen in der Dortmunder Innenstadt zugetragen. Die Initiative Schlafen statt Strafen ist bestürzt und blickt mit großer Sorge auf die zunehmende Gewalt gegenüber obdach- und wohnungslosen Menschen in Dortmund. „Es ist besonders schockierend, dass so eine Tat am frühen Abend passiert ist, als die Innenstadt noch voller Menschen gewesen sein muss“, so Pressesprecher*in Chris Möbius. „Wir sind sehr erleichtert, dass die beiden Menschen, die das Ziel dieser Gewalttat waren, zumindest körperlich unverletzt blieben. Wir appellieren eindrücklich an die Stadt Dortmund und besonders das Sozialamt, dass den beiden schnell und unbürokratisch alle nötige und gewünschte Hilfe und Unterstützung zukommt, die sie für die Verarbeitung des Erlebten und die psychischen Folgen benötigen!“

Auch wenn die Hintergründe dieser Tat erst ermittelt werden müssen, ist in den letzten Jahren und Monaten eine starke Zunahme von Gewalttaten gegen obdachlose Menschen und ein zunehmend feindseliges, klassistisch aufgeladenes Klima zu beobachten. Für Schlafen statt Strafen liegen die Gründe dieser zunehmenden Gewalt unter anderem auch in einer starken Tendenz innerhalb von großen Teilen der Lokalpolitik, obdachlose Menschen hauptsächlich als Problem und nicht primär als gleichwertige Bürger*innen zu sehen. „Wenn in der Politik obdachlose Menschen immer nur mit Drogenkonsum und Kriminalität gleichgesetzt werden und es nur darum geht, die betroffenen Menschen aus dem öffentlichen Stadtbild zu vertreiben, dann schlägt sich das natürlich in der öffentlichen Meinung nieder.“ sagt dazu Pressesprecher*in Chris Möbius. „Und wenn Stereotype und Hetze in der Lokalpresse ohne Einordnung wiedergegeben werden, dann setzt sich dieses Narrativ durch und es wird in Teilen der Gesellschaft akzeptierter, obdachlosen Menschen Gewalt anzutun. Das muss aufhören!“

Schlafen statt Strafen fordert alle Akteur*innen dazu auf, die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Gründe für Obdachlosigkeit – und auch den Konsum illegalisierter Drogen – mehr in den Fokus zu nehmen und sich um wirkliche Lösungen zu kümmern, statt Scheinlösungen wie Verdrängung und Kriminalisierung weiterzuführen.

Schlafen statt Strafen sieht jetzt die Stadt Dortmund in der Pflicht, obdachlose Menschen vor Gewalt zu schützen und ihnen Sicherheit zu bieten. Dazu fordert die Initiative die beiden OB-Kandidaten Westphal und Kalouti auf, Stellung zu beziehen, mit welchen Maßnahmen sie schnell und effektiv Obdachlosigkeit senken und den betroffenen Menschen nachhaltige Perspektiven bieten wollen. Chris Möbius: „Es ist ganz einfach: Die beiden Menschen sind Ziel des Anschlags geworden, weil sie auf der Straße schlafen mussten. Wären sie in einer Wohnung gewesen, wären sie vermutlich nicht Ziel von Gewalt geworden. Es braucht Wohnungen für obdachlose Menschen, das ist der beste Schutz!“